Schluss ist erst nach 113km …

oder: “Wenn Du aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es geschafft hättest”.

Auf diese Medaille war ich heute besonders Stolz !

Genau 3 Wochen nach meinem geglückten Saisonauftakt auf Mallorca machte ich mich auf den Weg in meine ehemalige Wahlheimat, der Schweiz, zum Ironman 70.3 Switzerland.

Was hatte ich mir vorgenommen? Sehr gerne die Leistung von Mallorca bestätigen und vielleicht zum Abschluss der ersten Saisonhälfte noch eines oben drauf setzen: Schwimmen 33min, Rad 2.44h, Lauf 1.38h, Wechsel 5min, was summa summarum glatte 5h ergibt. Bisschen Druck darf’s schon sein!

Das Wetter versprach bei der Anfahrt am Freitag, 30. Mai, nichts wirklich verheißungsvolles (nass-kalt), zumal der Obersee in Rapperswil-Jona (SG) für seine Kälte bekannt ist und bei manchen Rennen die Schwimmstrecke schon verkürzt wenn nicht sogar ganz eliminiert wurde. Wir hatten dann aber Glück und durften die vollen 1.9km bei frischen 16 Grad schwimmen. Allerdings lief es bei mir alles andere als rund. Von Beginn an ekelhafte Schmerzen in der rechten Bauchseite, zudem machte mir die Kälte zu schaffen und ich konnte keine Kraft entwickeln und mich auch nicht aus einer zähen Gruppe freischwimmen. Ich wusste schon auf der Strecke, dass es eine grottenschlechte Zeit wird und so stieg ich erst nach 37min – als 17. meiner AK – aus dem Wasser und war in diesem Moment körperlich und mental erst mal durch.

Die Radstrecke (Rundkurs 2* a 45km) nördlich des Sees ist landschaftlich ein Traum, technisch – mit seinen vielen kleinen Rampen (z.B. „Witsches Hill“ und “Der Gasthof”), einem längeren Anstieg nach Goldingen („The Beast“) und einer langen, sehr schnellen Abfahrt – anspruchsvoll. Zudem hat es viele kleine Kurven und Spitzkehren, welche gerade morgens bei Nässe höchste Konzentration verlangen. Mir macht sowas aber eigentlich extrem viel Spaß. Das wohl wichtiges Stück ist aber die ca. 7km lange An- bzw. Rückfahrt von der Wechselstation/Wendepunkt bis in den Rundkurs, welche 4 mal zu bewältigen ist. Diese ist leicht wellig und Kräfte sollten wohlwollend dosiert sein; zumal durch diese Kurzweiligkeit das Timing der Nahrungsaufnahme das größte Problem darstellt und erst recht heute bei mir. Nach ca. 30km plagten mich migräneartige Kopfschmerzen mit Übelkeit und jeder Schluck Iso, fast jeder Bissen Riegel und jeder Tropfen Gel kamen zusammen mit dem Frühstück wieder hoch und wurden wieder runtergewürgt. Nur 1* in freier Wildnis konnte ich die S… ausspucken. Da wäre heute unter normalen Umständen (was ist schon “Normal”?) mehr drin gewesen, zumal ich ein solide 185W Durchschnittsleistung gefahren bin. Nach 2.51h auf den 9. Platz vorgefahren; zu diesem Zeitpunkt knapp 10 Minuten über meinem Ziel und noch mehr “durch”. Das konnte und wollte ich so aber nicht stehen lassen und dachte mir, “Lauf, Anja, Lauf. Das kannst Du!”

Radstrecke IM 70.3 Switzerland

Die ersten 15km durch die Altstadt von Rapperswil bin ich dass dann auch, wie ein junger Gott. Das hat mental sehr gut getan und mich immer mehr beflügelt. Der Weg (Rundenkurs a 10km) ist flach, hat aber die wohl berühmten „Stairways to Heaven“ im Kurs, eine ca. 3-stöckige Treppe vom Markt hoch zum Schloss. Darauf hatte ich mich bereits im Training vorbereitet und fand das eher eine gelungene Abwechslung als eine Qual (weh hat es aber trotzdem getan…). Dennoch traf mich dann auch in meiner Paradedisziplin der Hammer, so dass ich die letzen 6km richtig fett beißen musste. Die Laufzeit von 1.31h (16. beste Zeit insgesamt) war einfach gigantisch und brachte mich auf den insgesamt 4. Rang meiner AK.

Fazit: Mit einer Gesamtzeit von 5.04,33h das zweite solide internationales Ergebnis auf der 70.3 Strecke innerhalb von 3 Wochen. Vom Podest trennten mich gerade mal 3 Minuten! Darauf kann man aufbauen. Jetzt geht es erstmal in die verdiente „mid-season“ Pause und dann mit Vollgas in die Vorbereitung für die WM in Kanada. Dennoch habe ich mit diesem Rennen eine Rechnung offen und werde wohl nächstes Jahr wieder kommen 🙂

Ergebnisse
Fotos

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